Der 3. Dezember 1920 war für Reeder Oltmann wahrlich kein guter Tag. Im Zuge der Reparationszahlungen nach dem Ersten Weltkrieg wurde sein Toppsegelschoner META den Franzosen übergeben und vom Braker Seeschiffsregister gelöscht. Es scheint für ihn rückblickend kein gutes Omen gewesen zu sein dass sein Schiff, kaum ein Jahr nach dem Stapellauf im September 1911, nach einer Kollision einen neuen Vorsteven erhielt. Nun war es für ihn ganz verloren.

Für das Schiff selbst war es indes kein böses Schicksal. Nachdem in Frankreich ein erster Motor eingebaut wurde, kommt META schon 1923 nach Viareggio in Italien, das Land das zu ihrer neuen Heimat werden sollte. Dort wechselt sie zweimal den Eigner, übersteht auch den 2. Weltkrieg, 1946 ist im Schiffsregister „still going strong“ zu lesen. Dann erfährt sie einen größeren Umbau.

1958 ist es tatsächlich ein anderes Schiff, das unter dem Namen ONICE seinen Dienst antritt. Am Heck thront nun ein erhöhtes und verlängertes Achterdeck, ein einzelner Mast trägt mittschiffs nun hauptsächlich zwei Hebe-Bäume und zwei Ladeluken erleichtern nun das Laden und Entladen. Auch wird der Vorsteven im oberen Bereich etwas begradigt, und ein dezent erhöhtes und geschlossenes Vordeck verleiht dem Schiff die Linie eines eleganten Motorschiffs. Zu guter Letzt ersetzt ein Diesel Ansaldo Viertakter die alte Maschine, er sollte bis zuletzt gute Dienste leisten, wenn auch die Leistung von 180 PS etwas zu gering ausfiel. Alles in allem ein gelungener Umbau, bei dem glücklicherweise der Rumpf unverändert blieb.

Der nächste, gefährlichere blieb glücklicherweise dem Schiff erspart. Als 1998 sich der letzte Eigner Lentini nach drei Jahrzehnten von der ONICE trennte, wurden Pläne erstellt sie in einen Ponton umzubauen. Eine Reihe von Missgeschicken verzögerten zuerst und vereitelten schließlich das Vorhaben. Das Schiff wurde aufgegeben.

Francesco Lentini hatte die ONICE Ende der 1960er Jahren erworben. Vom Heimathafen Trapani in Sizilien aus operierte er im südlichen Tyrrenischen Meer, hauptsächlich die Insel Pantelleria ansteuernd, wo Lentini selbst zuhause war. Die Verbindungen dieser windgepeitschten, schroffen Insel mit Sizilien waren immer schon dürftig, so war dieser regulär fahrende kleine Frachter oft die einzige Möglichkeit. Viele „Panteschi“, wie die Insulaner genannt werden, schlossen die ONICE ins Herz, und bis heute verfolgen sie ihr weiteres Geschick.

Wie kam es aber eigentlich dazu dass die Geschichte nicht endete? Schließlich wusste niemand Bescheid über die genaue Herkunft der ONICE, vielleicht wollte auch keiner es so genau wissen. Nicht so Giuseppe Ferreri. Sein Vater war an Bord der Maschinist gewesen, sein Bruder Seemann und er selbst hatte da seine Berufspraxis zum Kapitän absolviert. Fast schon eine Familienangelegenheit. So konnte er nicht zusehen wie die ONICE verkam und fing zu recherchieren an. Als er die Geschichte vom weltberühmten Zwillingschiff EYE OF THE WIND entdeckte, war der Grundstein gelegt für ihre Rettung.

Man sagte einst einen Schiffsnamen sollte man nicht wechseln. Doch das Leben der META endete 1954, das der ONICE nach langer Agonie 2016. BRIGANTES wird der Name ihres dritten Lebens.