War es Liebe auf dem ersten Blick oder doch nur Pragmatismus? Auf seinem Werftbesuch zu Jahresbeginn 1911 bei Lühring in Hammelwarden sah Kapitän Friedrich Kolb das Schiff seiner Wünsche bereits in Bau. Es war die META, vom Reeder Oltmann in Auftrag gegeben nach den Linien der REGINA, ein Toppsegelschoner der schon in seinem Besitz war. Da er es nach dem Verlust seines hölzernen Dreimastschoners MARIA ungleich eiliger als Oltmann hatte, wurde der FRIEDRICH Priorität eingeräumt sodass sie Anfang Juni schon vom Stapel laufen konnte, die Fertigstellung der META indes um drei Monate verzögernd.

Nachdem beide Schiffe für eine Dekade Nord- und Ostsee befuhren und womöglich auch einander begegneten, zweigten sich die Wege in den frühen 1920ern drastisch. Während die FRIEDRICH nach Schweden kam, wurde Italien zur neuen Heimat der META, ihre Wege sollten sich seitdem nicht mehr kreuzen.

Zeitsprung 1970. Ein Feuer verwüstet das gesamte Achterschiff der in MERRY umgetauften FRIEDRICH, das Ende einer der letzten Lühringschoner scheint gekommen. Man sucht nach Käufern, ein Amerikaner meldet sich, wird aber nichts, dann endlich der junge Australier Anthony Timbs, er will das inzwischen zum Motorschiff konvertierte Schiff neu takeln.

Die Geschichte ist unter Insidern fast schon Legende. Nach dreijährigen abenteuerlichen Umbauarbeiten tritt das Schiff als EYE OF THE WIND seine bisher größte Reise nach Australien an, und um den Globus zurück nach England. Dort wird sie von der “Scientific Exploration Society“ gechartert und unter der Schirmherrschaft von Prinz Charles 2 Jahre lang die Operation-Drake-Voyage“ anführen. Junge Menschen aus 27 Nationen nahmen daran Teil, zahlreich die sozialen, ökologischen und kulturellen Projekte die unterwegs realisiert werden konnten.

Auch Hollywood bemerkte nun die deutsche Schönheit, ihre Auftritte in Filmen wie Tai Pan, Blaue Lagune und White Squall bescherten ihr weltweit Berühmtheit. Und META?

Unter dem kaum schöneren Namen ONICE fristete sie ein Leben ohne Glanz und ohne Tadel, geriet dann in etwa zur Zeit des Brandes ihrer „Schwester“ in den Händen ihres letzten Eigners Francesco Lentini. Ich traf Herrn Lentini im Sommer 2016 in seinem Haus in Pantelleria, eine schroffe vulkanische Insel südlich von Sizilien. Der inzwischen pensionierte Reeder bewahrt noch das eine oder andere Dokument seines ehemaligen Schiffes, eine emotionale Bindung lässt sich jedoch hinter dem Pragmatismus seiner Erzählungen kaum ausmachen. Sachlich hat er seinem Arbeitstier an nichts mangeln lassen, regelmäßig wurde jede Revision durchgeführt, kaum gespart, pünktlich gezahlt, wie auch die Brüder D´Amico bestätigen, Inhaber der das Schiff betreuenden Werft.

Und wie ging es weiter? 1999 war das Schiff nicht mehr rentabel zu betreiben, es wurde an Antonio Miceli verkauft, der es zu einem Ponton umbauen wollte. Dieser schiffshistorisch grausame Plan kam glücklicherweise nie zur Ausführung, das Schiff wurde in einer Ecke des Hafens von Trapani praktisch vergessen.

Bis eines Tages… aber das ist eine andere Geschichte.